Wald und Artenvielfalt

Wälder gehören zu den Landnutzungsformen mit einer besonderen Bedeutung für die Biodiversität und den Erhalt der Artenvielfalt. Die Forstwirtschaft zeichnet sich durch vergleichsweise langfristige Bewirtschaftungseingriffe aus. Da Eingriffe im aufstockenden Bestand nur in mehrjährigen Intervallen stattfinden, können sich natürliche Prozesse und Strukturen entwickeln. Die Forstwirtschaft in Bayern und Deutschland verfolgt einen integrativen Ansatz. Auf der Fläche werden alle Funktionen des Waldes berücksichtigt. Dieser Ansatz ist sehr erfolgreich und Vorbild für zahlreiche andere Länder.

Leistungen von Wald und Forstwirtschaft für Biodiversität und Artenvielfalt:
  • Die Waldfläche nimmt seit 30 Jahren zu und stieg bis heute um 13.000 Hektar. Die natürlichen Sukzessionsflächen sind hierbei noch nicht berücksichtigt.
  • Der Anteil der Laub– und Mischwälder ist in den letzten 30 Jahren auf 32 % gestiegen. In diesem Zeitraum nahm die Fläche der Laubbaumarten um 136.000 ha zu. Jeder zweite Baum unter 20 Jahren ist inzwischen ein Laubbaum.
  • Auf 85 % der Waldfläche sind mindestens zwei verschiedene Baumarten zu finden.
  • Der Vorrat von Starkholz allein bei der Buche beträgt in Bayern 33 Mio. Festmeter, was fast einem Drittel des Gesamtvorrats bei der Buche entspricht. Bei der Fichte ist jeder fünfte Baum dicker als 50 cm.
  • Die Fläche der Altbestände (über 120 Jahre) hat sich seit 1971 mehr als verdoppelt.
  • Durchschnittlich befinden sich 13 Festmeter Totholz pro Hektar in den Wäldern Bayerns. Mit 8,2 Fm/ha bzw. gesamt rund 11,4 Mio. Fm weist der Privatwald erhebliche Vorräte an Totholz auf und leistet somit freiwillig einen unverzichtbaren Beitrag für den Erhalt von zahlreichen Tieren, Pflanzen und Pilzen.
  • 154 Naturwaldreservate dienen im besonderen dem Erhalt der an Totholz gebundenen Arten, da in ihnen keine Nutzung mehr stattfindet.
  • Die Wälder enthalten auf 83 % der Fläche zwei und mehr Baumschichten und durchschnittlich 9 morphologische Schichten aus Moosen, Flechten, Farnen, Gräsern und Sträuchern auf.
  • Die Waldverjüngung unter Altholzschirm ist inzwischen zu 86 % sehr naturnah, naturnah oder bedingt naturnah. Naturferne Bestände existieren lediglich nur noch auf 16 % der Fläche, Tendenz weiter abnehmend.
  • In den bayerischen Wäldern sind 62 verschiedene Baumarten zu finden, darunter 18 seltene Arten wie Elsbeere, Eibe und Moorbirke.
  • Ein Großteil der Waldflächen unterliegt einem Schutzstatus:
  • rund 945.000 ha Wald sind in Naturparken
  • 82.000 ha in Naturschutzgebieten
  • 487.000 ha in Landschaftsschutzgebieten
  • 6.600 ha in Naturwaldreservaten
  • 449.000 ha in Natura-2000-Schutzgebieten
  • 31.000 ha in Nationalparken
  • 150.000 ha in gesetzlich besonders geschützten ökologisch wertvollen Gebieten wie Moor-, Bruch-, Sumpf- und Auwälder oder Schlucht-, Block- und Hangschuttwälder.
  • Hinzu kommen noch weitere Flächen, die aufgrund ihrer Lage im Gebirge, den Kamm- oder Steillagen nicht genutzt werden.
  • Auf rund 75 % der Waldfläche in Bayern haben sich die Waldbesitzer freiwillig dazu verpflichtet, bestimmte Bewirtschaftungsvorgaben einzuhalten und dies durch unabhängige Dritte kontrollieren zu lassen (Waldzertifizierung).  Die Vorgaben oder Leitlinien werden in dynamischen Prozessen entwickelt, bei denen verschiedene ökologische, wirtschaftliche und soziale Gruppierungen vertreten sind. Die Waldzertifizierung bei uns basiert inhaltlich auf internationale Beschlüsse der Umweltkonferenz von Rio aus dem Jahr 1992 sowie den Nachfolgekonferenzen. Zusätzlich gelten die Kriterien und Indikatoren, die auf den Ministerkonferenzen zum Schutz der Wälder in Europa (z.B. in Helsinki) verabschiedet worden sind. In Deutschland gibt es zur Zeit zwei federführende Zertifizierungssysteme PEFC und FSC, wobei der weit überwiegende Teil der Wälder nach den Kriterien von PEFC zertifziert ist.
  • Durch seine räumliche Verteilung erfüllt der Wald bereits heute Brücken- und Verbindungsfunktion für Pflanzen und Tiere.
  • Der Freistaat Bayern, die Kommunen und die Körperschaften bewirtschaften rund 5.000 ha Nieder- und Mittelwald. Ca. 13.500 ha Moorwälder werden allein im Staatswald erhalten.
  • Die biologische Vielfalt in Bayerns Wäldern wird auch durch die sehr kleinteilige Besitzstruktur gewahrt. 700.000 Waldbesitzer haben genauso viele verschiedene Vorstellungen über die Bewirtschaftung ihres Waldes und stellen allein damit schon eine Artenvielfalt sicher.
  • Je nach Waldgesellschaft sind geschätzt 7.000 bis 14.000 Tier- und 4.000 bis 6.000 Pflanzenarten einschließlich Moose, Farne und Pilze vorhanden.
  • Artenschutzmaßnahmen im Wald, insbesondere im Hinblick auf Vogelarten sind sehr erfolgreich.
  • Das Konzept der naturnahen Bewirtschaftung der gesamten Waldflächen im Gegensatz zum Segregationsmodell (Urwald-Wirtschaftswald) hat dazu geführt, dass bereits der Anteil der Naturverjüngung gegenüber Saat und Pflanzung mehr als 50% umfasst. Durch diese Naturverjüngung kann die gesamte genetische Vielfalt der alten Bäume an die nächste Generation weitergegeben werden.
  • Der Freistaat Bayern sorgt mit dem Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht für den Erhalt und die ausreichende Versorgung der Waldbesitzer mit entsprechendem Saat- und Pflanzenmaterial. In Bayern sind rund 75.000 ha als Saatguterntebestände zugelassen.
  • Das Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht lagert Saatgut seltener heimischer Herkünfte (derzeit mehr als 2.000 kg aus mehr als 700 Erntepartien).
  • 60 bayerische Samenplantagen dienen nicht nur der Erzeugung von Saatgut, sondern auch dem Erhalt der genetischen Vielfalt (13 Laub-, 6 Nadelbaumarten, 2 Strauchsamengärten, 1 Klonsammlung, Pappeln- und Weidensorten sowie zahlreiche Nebenbaumarten)
  • In den forstlichen Pflanzgärten werden Strauchbaumarten nachgezogen (ca. 40 Arten von 50 Vorkommen). Es wurden von 1995 bis 2000 ca. 700.000 Stück der seltenen Baum- und Straucharten an die damaligen Forstämter abgegeben.
  • Durch entsprechende Feldversuche werden Gastbaumarten im Hinblick auf ihre Standortseignung unter veränderten Klimabedingungen untersucht.
  • Eine landesweite forstliche Standortserkundung in allen Waldbesitzarten stellt sicher, dass nur standortsgemäße Baumarten gepflanzt werden.
  • Über Programme für die Waldrandgestaltung werden zusätzliche Lebensräume für Tiere und Pflanzen geschaffen.
(Die Daten basieren auf Ergebnissen der Bundeswaldinventur II sowie diverse Veröffentlichungen der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, Freising-Weihenstephan.)
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